Ewa Aukett

Lesen ist Liebe - Liebe ist Leidenschaft

Dienstag, 19. September 2018


Gedanken ... und was danach kommt.

 

 

Kennt ihr diese Momente, in denen ihr manchmal nicht mehr wisst, wo oben oder unten ist? Wo einfach alles schief zu laufen scheint und eure Welt langsam zerbröckelt?
Es gibt Tage, da reißt es dir den Boden unter den Füßen weg.

Mein Buch ist soweit fertig - endlich! - und die Rohfassung im Lektorat. Kommt es zurück, muss es überarbeitet werden – Änderungen werden eingefügt, Kleinigkeiten ausgebessert, in Ruhe nochmal durch alles durchgegangen. Der normale Verlauf ... eigentlich ... aber diesmal fühlt es sich nicht normal an.
Eine Reise, die ich vor mehr als zwanzig Jahren begonnen habe, neigt sich ihrem Ende - ich habe mich von Figuren verabschiedet, die ich geschaffen und geformt habe und dieser Abschied war nicht leicht, gelungen ist er vermutlich erst, wenn der letzte Punkt gesetzt ist. Ich habe mir Nächte um die Ohren geschlagen, Unmengen an Kopfschmerztabletten in mich hineingestopft, um fertig zu werden, und irgendwie versucht zu funktionieren – in einer Zeit, in der mir das sehr schwer gefallen ist.
Selten war ein Buch so hart für mich zu schreiben, weil es eben nicht länger nur Dinge andeutet, sondern sie ausspricht. Selten war ich so zerrissen ob ich es überhaupt veröffentlichen soll, weil ich fürchte, was danach kommt. Selten war ich an einem Punkt wie im Augenblick ... dieser Moment, wenn man am Boden liegt, die eigene Welt voll abplatzender Splitter ist und man nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Dann ist es ein Leichtes, dass jemand mit wenigen Sätzen - wegen einer vermeintlich falschen Idee -, alles was wertvoll und gut war, was über Jahre dein Herzblut und deine Tränen mitgetragen hat, vor deinen Augen in der Luft zerfetzt.
Jedes Wort zerstört ein Stück Hoffnung in dir, es fühlt sich an wie eine Faust in deinem Magen und ein Messer in deinem Herz ... und dann wird nachgetreten, weil du verärgert reagierst und dir Luft machst, um den Kopf frei zu bekommen. Im Augenblick eines Wimpernschlages, mit einem Klick, einem Teilen und wenigen Worten, wirst du herabgewürdigt.
Du beginnst zu reflektieren. Darüber, dass es selbstverständlich war Rücksicht zu üben, weggestoßen und beleidigt zu werden, bedeutungslos zu sein, weil Trauer und Chaos überwogen – du hast dich zurückgezogen, aus Furcht, jemanden zu verletzen, dem es ohnehin schon schlecht ging, auch weil du selbst nicht die Kraft hattest zu helfen und aufzurichten.
Doch du hast nicht damit gerechnet, dass du in dem Moment, in dem du selbst am Boden liegst und andere sich erholt haben, vor den Kopf gestoßen wirst, weil derjenige den tieferen Sinn deines Handelns nicht versteht - der eigentlich der Beginn von etwas Neuem ist.

Mitten im Chaos des Lebens musst du wieder einmal lernen allein aufzustehen. Wie jeden Tag - weil du weitermachen musst, weil du kein Auffangnetz hast, weil du seit Jahren nichts anderes tust, als zu funktionieren, weil du nicht anders kannst als für dich allein zu kämpfen – weil man auch allein unter vielen sein kann.
Dann ist man müde, zu müde, um sich aufzuregen und zu streiten, zu  müde, weil man mit dem Leben und seinen persönlichen Herausforderungen genug zu tun hat. Man nimmt hin, dass Verständnis nur in Maßen existiert, dass Ängste und Meinungen offenbar weniger akzeptabel sind, als du gehofft hattest.

Aber es zeigt sich mir auch, dass es in diesem Leben und in unserer Gegenwart nicht anders ist, als in meinem Buch angedeutet: Das Dunkel schwappt in diese Welt und vereinnahmt sie für sich – und jeden Tag sieht man alles was gut und richtig war ein bisschen weiter sterben.
Vielleicht bin ich dumm und naiv, weil mir die Zukunft Angst macht, weil ich fürchte, in welche Richtung wir uns als Menschen bewegen und weil ich auf meine eigene, private Weise versuche, irgendwie dagegen anzukämpfen und im Kleinen zu helfen. Vielleicht zahle ich irgendwann den Preis dafür, versteckt in irgendeinem Loch, gejagt und voller Furcht … so wie in meinen Träumen - und doch mag ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich irgendwann das Blatt wendet und wir beginnen zu begreifen, dass es auch anders werden kann. Alles wird gut, trifft es leider nicht … aber vielleicht wird es einfach wieder besser, eines Tages ... ich hoffe darauf.

Passt auf euch auf.

 

 

Liebe Grüße,
Ewa