Über mich ....

 

1974

 

... wurde Helmut Schmidt (SPD) Bundeskanzler.

 

... wurde Deutschland Fußballweltmeister.

 

... wurde in China die berühmte Terrakotta-Armee gefunden (7000 Figuren in Lebensgröße).

 

... kam der erste VW-Golf auf den Markt.

 

... starb Erich Kästner (Schriftsteller).

 

... brachte Stephen King seinen ersten Roman "Carrie" heraus.

Ja, ihr seht richtig, ich habe fünf Geschwister ... damals gab es noch kein Privatfernsehen, kein Internet und keine Handys ... und wir haben trotzdem überlebt. ;-)

Meine Geschwister sind übrigens alle etwa ein Jahr auseinander, bis auf die beiden jüngsten vor mir - das waren Zwillinge.

Acht Jahre später habe ich mich dann unerwartet angekündigt, ungeplant und etwas überraschend.

 

Tja, und während meine Geschwister irgendwie immer jemandem zum Toben und Spielen hatten, war ich allein unter lauter "Großen". Allerdings war das für mich okay, denn ich war ohnehin ein eher stilles Kind, das gern für sich war und es genoss.

 

Natürlich ich früh Bücher für mich entdeckt und wurde eine Leseratte ... und ich erinnere mich, wie meine Eltern sich darüber amüsierten, weil ich mit fünf im Wohnzimmer hockte und die Pixie-Bücher laut vorlas. Bücher waren für mich von Beginn an Tore zu anderen Welten. Darin konnte ich mich verlieren und sein wer ich wollte. Es gab nichts Schöneres.

 

Außer vielleicht mit dem Hund zu kuscheln oder die Katzen zu krabbeln - ja, in Sachen Vierbeinern war ich früh geprägt.

Darin waren wir uns alle ziemlich einig. Egal was es war, es wurde nach Hause geschleppt ... meine Mutter hatte manches Mal ihre liebe Mühe damit, uns begreiflich zu machen, dass wir nicht alles einfach behalten konnten.

Mein Vater hat außerdem mit schöner Regelmäßigkeit hysterische Anfällen zu bekämpfen gehabt, weil ich ständig irgendwelche Blindschleichen mit mir herumschleppte und ins Haus brachte ... er war eher nicht so tieraffin und alles Schlangenartige hat er verabscheut.

Im Übrigen bin ich an seinem Geburtstag zur Welt gekommen ... was irgendwie über die Jahre ziemlich doof war, weil man sich jedes Mal gegenseitig gratulierte ... aber auch sehr seltsam, als er dann nicht mehr da war.

 

Die ersten Geschichten habe ich während meiner Unterrichtsstunden geschrieben ... manchmal frage ich mich selbst, wie ich es überhaupt geschafft habe, die Schule hinter mich zu bringen. Auf der anderen Seite glaube ich, dass es genau DAS war, was mich nicht hat durchdrehen lassen, denn Schule war oft alles andere als schön.

Früh habe ich erlebt, was "Mobbing" bedeutet - und da gab es noch nicht mal den passenden Begriff dafür.
In der Grundschule fing es an mit meiner Klassenlehrerin, die mich schlicht und einfach nicht leiden konnte ... heute bin ich mir ziemlich sicher, dass sie nach fünf Geschwisterkindern, von denen ihr mindestens einer vors Schienbein getreten hatte, einfach eine unversöhnliche Abneigung gegen unsere Familie entwickelt hatte.

Tja, und ich, die in der Regel ständig dazu neigte, mit allen klarzukommen und die nicht verstand, warum ihr da so eine Antipathie entgegenschlug, habe dann sämtliche Schikanen abbekommen, die möglich waren. Ich weiß noch, dass sie meine Mutter und mich sogar zu sich nach Hause zitiert hat ... blöd war nur, dass meine Mutter sich von niemandem einschüchtern ließ und jedem Paroli bot. So hatte sich der Besuch auch rasch erledigt.

 

Die nächsten unangenehmen Erfahrungen dieser Art durfte ich dann in der weiterführenden Schule machen - ich hatte das Gymnasium nur gestreift, weil der Druck zu groß für mich war, und wechselte rasch auf die Realschule. Gleich in der ersten Klasse fand ich, neben meiner besten Freundin bis heute, leider auch ein paar Rowdys, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, mich zu schikanieren.Drei Burschen, die sich auf mich eingeschossen hatten ... und wegen denen ich im Schwimmunterricht fast ertrunken wäre, wenn mein Überlebenswille mich nicht gerettet hätte.

Erst als ich die Klasse wechselte, wurde es endlich besser und ich fühlte mich angekommen inmitten einem Haufen liebevoller Chaoten, inklusive bester Freundin. Die Schulzeit rauschte an mir vorbei und obwohl ich viele, kleine Geschichten schrieb und Daumenkinos in meine Schulbücher malte, schaffte ich es dennoch einen einigermaßen akzeptablen Schulabschluss zu schaffen und meinen ersten schlimmen Liebeskummer zu überwinden.
"Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter", war lange Zeit mein Leitspruch fürs Leben.

Nach der Schule hatte ich ehrlich gesagt keinen Plan vom Leben ...  bzw. der, den ich mal hatte, war mir genommen worden. Denn da war dieser Traum gewesen, Fotografin zu werden ... nur war der gute Mann bei der Berufsberatung so absolut entsetzt gewesen von meiner Idee, dass er alles tat, um es  mir madig zu machen.

Die Tatsache, dass ICH zu diesem Zweck regelmäßig mit dem Zug nach Köln zur Berufsschule fahren müsse, wo man mich vermutlich umbringen und tot in irgendeinen Busch werfen würde, wurde mir als Horrorszenario in den Kopf gepflanzt ... und in MEINEM Kopf entwickelte sich das zu einem üblen Film.

 

Letztlich wusste ich am Ende nicht, wie es weitergehen sollte und ich tat, was so ziemlich alle taten, die keinen Plan oder keinen Bock hatten - ich meldete mich zur Höheren Handelsschule an ... eine blöde Idee und ich glaube, das waren so ziemlich die meisten Fehlstunden meines Lebens.

Mehr denn je merkte ich, wie sehr ich es verabscheute mich nur mit Theorien und Leitfäden auseinandersetzen zu müssen ... ich wollte arbeiten, etwas schaffen, aber ich hatte keine Ahnung, was mir liegen würde.

Leider war ich ausgesprochen schlecht darin, mich selbst einzuschätzen ... also ging es wieder zur Berufsberatung - und die wunderbaren Computer dort spuckten mir mehrere Möglichkeiten zur Ausbildung aus: "Rechtsanwaltsgehilfin", "Bürokauffrau", "Industriekauffrau" ... prickelnd klang alles irgendwie nicht, aber zumindest die Rechtsanwaltsgehilfin hatte einen gewissen Reiz.

Der Reiz war aber auch rasch aufgebraucht ... neben jeder Menge langweiliger Angelegenheiten, gab es auch durchaus interessante Fälle und einen, der mich aufgrund seiner Thematik tief erschütterte. Und als hätte das Schicksal sich ins Fäustchen gelacht, lag meine Berufsschule in Köln und ich durfte mehrfach in der Woche mit dem Zug zum Unterricht fahren - trotzdem bin ich nicht tot in der Hecke gelandet.

Als mein Boss mich im zweiten Lehrjahr in eine andere Klasse versetzen lassen wollte, weigerte ich mich. Ich fühlte mich wohl dort und wollte nicht erleben, wie ich wieder in irgendein Fadenkreuz geriet und gemobbt wurde ... stattdessen landete ich mit meinem Ausbilder vor Gericht.

 

Die Lehrstelle war passé und ich stand auf der Straße, ein weiterer Versuch in dieser Richtung kam für mich nicht in Frage.

Also hieß es "arbeiten" - ich verrichtete Bürojobs, denn darin war ich wirklich gut, meine Finger flogen schließlich über die Tasten. Ich putzte, ich fuhr LKW und erledigte Lieferfahrten, es war eine gute Zeit, weil ich das Gefühl hatte etwas zu schaffen. Doch gleichzeitig war klar, eine Ausbildung musste her - irgendwann würde ich die Stelle wechseln und dann kam die Frage nach dem Beruf.

Also nahm ich das nächste auf meiner Liste: "Bürokauffrau", das klang irgendwie nicht so schwierig und aufwändig wie "Industriekauffrau" ... war aber trotzdem jede Menge Theorie und was ich damals noch nicht begriffen hatte, war die Tatsache, dass ich eigentlich immer mehr der Pragmatiker gewesen bin.

Heute weiß ich, dass ich viele kleine Entscheidungen getroffen habe, die nicht immer zu meinem Vorteil waren ... ich habe nicht gesehen, was mir am besten lag ... in der Schule waren es Kunst, Handwerken, Deutsch und alles was mit praktischen Dingen zu tun hatte. Ich war weder interessiert an Musik oder Religion, noch lagen mir Physik, Mathe oder Chemie - aber das Problem daran war nicht der Stoff an sich, sondern die Umsetzung der Vermittlung.

So sehr ich Bücher liebe, so sehr will ich von ihnen unterhalten werden ... ich will kein trockenes, langweiliges  Wissen vermittelt bekommen, ich will mitgerissen werden, hineingesogen ... und heute weiß ich, dass Chemie, Physik & Co. super spannend sind, wenn da jemand ist, der es einem anschaulich und interessant zu erzählen weiß.

Ich habe weit über zehn Jahre im gleichen Betrieb gearbeitet ... bis das Ding mit dem "Mobbing" wieder anfing, wobei es in dem Fall dann auch zum "Bossing" wurde. Irgendwann musste ich die Notbremse ziehen, weil ich sonst etwas furchtbar Dummes getan hätte.

Mit dem ersten "Burnout" meines Lebens verabschiedete ich mich von meinem einst durchaus geliebten Job und trat einer ungewissen Zukunft entgegen. Ich kam in Therapie und es hat neben vielen traurigen Momenten auch jede Menge guter Augenblicke gegeben. Viele schöne Gespräche, in denen ich mich wieder besann, was mich im Leben mal glücklich gemacht hatte ... malen, schreiben, fotografieren ... mein Traum mich mit meinen kreativen Seiten zu verwirklichen.

Mir fehlte der Mut die Ausbildung zur Fotografin doch noch in Angriff zu nehmen, aber ich schaffte, es mir wieder einen Job zu suchen und letztlich sogar mein erstes Buch zu veröffentlichen - ich hing mich rein, alle zwei, drei Monate ein neues Buch und hey, endlich mein Herzensprojekt.

 

Wie schwer mir ausgerechnet das es am Ende machen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Plötzlich hatte ich mich komplett verausgabt. Ich will nicht sagen, ich hätte mich leer geschrieben, denn Ideen habe ich immer noch täglich ... aber die Motivation war irgendwann weg. Ich war ausgebrannt, meine Finger wollten nicht wie der Rest von mir und ohne Therapie - weil es heute Monate dauert, überhaupt einen Platz zu bekommen -, war es schwer, wieder zu mir selbst zu finden. Theoretisch wusste ich was zu tun war, aber das auch praktisch umzusetzen war so gut wie unmöglich.
Es gab jede Menge guter Ratschläge und Tipps, aber letztlich kommt es immer auf einen persönlich an, wie einfach oder schwer es fällt.

 

Heute bin ich hier ... Katzen-Mutti, Hunde-Pflegerin, Senioren-Betreuung, Selbsthilfe-Ein-Frau-Trupp ...

"Versuche nicht, ein erfolgreicher, sondern ein wertvoller Mensch zu sein." - Albert Einstein

"Jeder großartige Traum beginnt mit einem Träumer. Erinnere Dich immer daran, dass Du in Dir die Stärke, die Geduld und die Leidenschaft hast, die Sterne zu erreichen, um die Welt zu verändern." - Harriet Tubman