• Ewa Aukett

Achtung Trigger-Warnung!?

Neulich habe ich eine Kritik mit folgendem Tenor gelesen: „Die Autorin hat NULL recherchiert!“ Bezogen war diese Aussage auf den ersten Teil meiner „Stunde der Drachen“-Reihe und die Tatsache, dass es in jenem Zeitraum, in dem meine Geschichte angesiedelt ist, u.a. bereits Feuerwaffen gab und diverse andere historische Gegebenheiten in den Augen der Kommentatorin völlig falsch dargestellt waren.


Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darüber vorher nie Gedanken gemacht, weil die Welt, in der meine Geschichte angesiedelt ist, der unseren zwar ähnlich sein mag, aber eben kein spiegelndes Äquivalent sein sollte. Ich habe auch nie den Anspruch für mich erhoben, dass all die Dinge, die in meinen Büchern und in Sijrevan geschehen, einen historisch korrekten Hintergrund unserer Wirklichkeit und Vergangenheit besitzen.

Ergo gibt es natürlich keine Feuerwaffen, die hygienischen Zustände waren katastrophal (da sijrevanische Clans eben keine keltischen Clans sind), und diverse Errungenschaften und Fortschritte befinden sich auf einem völlig anderen Level.

Dass jener Leserin besonders der Anteil der Liebesgeschichte nicht gefallen hat, ist durchaus Geschmackssache, und dass ich sie dementsprechend mit dem Rest meiner „dünnen Story“ nicht begeistern konnte von daher keineswegs überraschend. Wenn ich eines gelernt habe in den letzten Jahren, dann das man nicht das passende Buch für jeden schreiben kann - und dass das völlig okay ist. Sie muss mein Buch nicht mögen, sie darf ihre Meinung darüber sagen und auch, was ihr nicht gefallen hat. Das ist absolut legitim, denn schließlich mag ich auch nicht alles.


Sicher wird es dafür kein klares „Richtig“ oder „Falsch“ geben, denn letztlich ist es auch eine Frage dessen, wie und auf welche Weise ich meine eigene Kunst kreieren möchte. Dennoch hat mich dieser Einwurf zum Nachdenken gebracht und ein paar grundlegende Fragen aufgeworfen:

Ist es besser, in einer Fantasy-Geschichte darauf hinzuweisen, dass man sich zwar von historischen Ereignissen und Personen inspirieren lässt, aber keinerlei Anspruch auf Richtigkeit erhebt? Bin ich als Autor in der Pflicht für jede Fantasy-Story eine völlig neue, komplexe Welt zu kreieren, weil die in meiner Geschichte sonst keinen epochal korrekten Bezug zu meiner eigenen besitzt? Ist es möglicherweise sinnvoll eine sogenannte Trigger-Warnung zu platzieren, ehe man seine Story an die Leser weitergibt?


Diese Frage ist für mich durchaus ernstgemeint, zumal ich gerade – parallel zu meiner nächsten Liebesgeschichte – an einem neuen Projekt sitze, dass tatsächlich SEHR inspiriert ist von echten, historischen Ereignissen und Personen. Ein Projekt, dass sogar in unserer Welt spielt, aber eben auch extrem fantasylastig und „unrealistisch“ werden wird.

Also würde ich mich wirklich sehr über eure Kommentare und Meinungen freuen.


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